
Vermehrte Berichte der Jäger über das Vorkommen der Räude beim Rotfuchs in Südwestdeutschland und Artikel in unterschiedlichen Zeitungen führten dazu, Füchse aus Baden-Württemberg serologisch auf Sarcoptes-Räude zu untersuchen. Unter Räude − rudis, Mittelhochdeutsch für raue Haut − versteht man den Sammelbegriff für verschiedene, durch sogenannte Räudemilben (s. Abbildung) ausgelöste Krankheitsbilder an der Haut der Tiere, die sich unter hochgradigem Juckreiz an bestimmten Prädilektionsstellen als Dermatitiden unterschiedlichen Grades und unterschiedlicher lokaler Ausdehnung manifestieren. Verschiedene Autoren beschrieben das Vorkommen von Sarcoptes scabiei var. canis beim Hund beziehungsweise Sarcoptes scabiei var. vulpes (S. vulpes) beim Fuchs, aber auch bei anderen Carnivoren. Diese Erkrankung kann bei großflächigem Ausmaß zu schweren Hautveränderungen mit Todesfolge führen. Die Parasiten werden durch direkten Kontakt von Tier zu Tier übertragen und dringen unterschiedlich tief in die Haut ein. Sie stoßen bis zu einer natürlichen Barriere vor: dem Stratum germinativum. Die Ernährung erfolgt durch Auflösen der Zellen beziehungsweise Aufnahme von Lymphe. An diesen Stellen fallen die Haare aus und die Haut nimmt ein borkiges Aussehen an (Hyper- und Parakeratose).
Sarcoptes-Milben sind größtenteils wirtsspezifisch. Jedoch kann es nach dem Kontakt der Sarcoptes-Milben mit dem Menschen (zum Beispiel Sarcoptes scabiei var. canis oder Sarcoptes scabiei var. bovis) zum klinischen Bild der sogenannten Trugräude oder Pseudoscabies kommen. So kann davon ausgegangen werden, dass es sich bei der Sarcoptes-Räude der Tiere um eine Zoonose handelt. Der unsichere Nachweis der Milben mittels Hautgeschabsel und das Übersehen subklinisch erkrankter Tiere führten zur Entwicklung einer serologischen Methode zum Nachweis der Räude. Mit Hilfe eines indirekten ELISA ist der Antikörpernachweis im Serum erkrankter Tiere möglich.
Im Rahmen einer Doktorarbeit, in Zusammenarbeit mit dem Parasitologischen Institut der FU Berlin, wurden 2481 Fuchsseren im indirekten ELISA auf Antikörper gegen die Sarcoptes-Milbe untersucht. Die Proben wurden im Rahmen der Tollwut-Immunisierungskampagne an das Chemische- und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe eingesandt. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, die Prävalenz (Häufigkeit einer definierten Krankheit zu einem bestimmten Zeitpunkt in einer Population) der mit Räude befallenen Füchse in Baden-Württemberg zu ermitteln. Hierfür wurden Füchse seziert und der pathologisch-anatomische Befund der Haut mit den serologischen Ergebnissen verglichen.
Von den 2481 untersuchten Seren waren im indirekten ELISA 3% (80) positiv, im grenzwertigen Bereich lagen 2,3% (57). Anzeichen einer klinisch manifesten Räude mit positivem Milbennachweis wiesen lediglich vier Tiere aus Memmingen (Bayern) auf. Nach vermehrten Berichten über Räudefälle in diesem Gebiet wurde eine Stichprobe von 14 Füchsen untersucht. Sowohl die klinisch an Räude erkrankten Füchse (Bayern), als auch die positiven Seroreagenten ohne klinische Symptome aus dem gesamten Untersuchungsgebiet, weisen auf latent vorhandene Infektionsherde hin. Bei der Räude handelt es sich um eine Faktorenkrankheit, deren Ausbruch von internen (Krankheiten, hohe Parasitenbürde) und externen (Futterknappheit, Trächtigkeit) Stressoren abhängig ist. Füchse können demzufolge Milbenträger sein (Nachweis von Antikörper im Serum), ohne dass die Erkrankung sichtbar ist und so die Milbe unter Artgenossen verbreiten.
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