Der Nachweis von Antikörpern im Blut bei den Tieren einer Herde ist nicht gleichbedeutend mit dem gehäuften Auftreten von Aborten. In unserem Raum wird deshalb die Bedeutung von Neospora caninum als Erreger von seuchenhaften Aborten beim Rind als gering eingestuft. Seit einigen Jahren erregt Neospora caninum (N. c.), ein einzelliger Parasit des Hundes, zunehmend die Aufmerksamkeit von Rinderhaltern und interessierten Hundebesitzern. So wurden im letzten Jahr auch hiesige Landwirte durch dramatisch anmutende Berichte aus anderen Bundesländern über das Auftreten seuchenhafter Aborte im Zusammenhang mit N.c.-Infektionen in Milchviehbeständen aufgeschreckt.
Bei N. c. handelt es sich um ein Protozoon, einen einzelligen Parasiten, aus der Gruppe der Sporozoen. N. c. entwickelt sich zyklisch in Zwischen- und Endwirten. Es ist bekannt, dass als Zwischenwirt das Rind oder auch andere Wiederkäuer fungieren können. Vom Endwirt weiß man, dass der Haushund diese Rolle einnehmen kann. Ob auch andere Fleischfresser dafür in Frage kommen, ist derzeit noch umstritten. Die Entwicklung im Endwirt erfolgt geschlechtlich und führt im Darm zur Bildung von infektiösen Stadien, die mit dem Kot ausgeschieden werden. Der Endwirt erkrankt dabei nicht. Nimmt das Rind als Zwischenwirt die infektiösen Stadien über den Verdauungstrakt auf, so erfolgt eine Körperwanderung mit Besiedlung unter anderem der tragenden Gebärmutter. Dabei können sich die Parasiten ungeschlechtlich durch einfache Zellteilung vermehren und sogenannte Zysten bilden. Im Gegensatz zum Endwirt erkrankt der Zwischenwirt, was sich bei tragenden Tieren in Aborten äußert. Der Kreis schließt sich, wenn der Hund als Endwirt wieder infiziertes Abortmaterial mit Zysten aufnimmt.
Um das Vorkommen von N.c.-Infektionen in unserem Einzugsgebiet abzuklären, wird deshalb seit Sommer 2004 in Heidelberg alles einkommende Abortmaterial von Rindern routinemäßig mittels PCR auf diesen Erreger untersucht. Darüber hinaus sind bereits seit 1998 Blutproben aus Milchviehbeständen mit Abortproblematik serologisch mittels Antikörper-ELISA untersucht worden mit dem Ziel, abzuschätzen, inwieweit die Tiere mit diesem Erreger in Kontakt gekommen sind, beziehungsweise ob die aufgetretenen Aborte möglicherweise auf eine Neospora-Infektion zurückzuführen waren. Über diese noch nicht abschließend ausgewerteten Untersuchungen soll nachfolgend berichtet werden. Dabei handelt es sich um Proben von 330 Rindern aus sieben Betrieben.
Es scheint sich abzuzeichnen, dass der Erreger in einigen, wenigen Betrieben als Ursache für einzelne Verkalbungen verantwortlich ist. Eine betriebsbezogene Häufung von Aborten mit nachweislicher Ursache „Neospora caninum” lag jedoch in keinem Fall vor. Der Nachweis von Antikörpern gegen N. c. gelang − bezogen auf die untersuchten Betriebe − in allen Fällen. Dabei wiesen in zwei Betrieben mehr als 30% der über 24 Monate alten Rinder Antikörper gegen N. c. auf (Sero-Prävalenz). In den übrigen Betrieben lag dieser Wert zwischen 5 und 20%. Eine Verbindung zwischen Sero-Prävalenz (Anzahl serologisch positiver Tiere in Prozent) und der Häufigkeit des Erregernachweises mittels PCR aus Abortmaterial des betreffenden Bestandes lässt sich nicht ableiten.
Die hier erhobenen Befunde stimmen jedoch in ihrer Tendenz überein mit den Ergebnissen einer landesweit vom Rindergesundheitsdienst (RGD) der Tierseuchenkasse Baden-Württemberg durchgeführten Untersuchung.
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