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Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe

Lebensmittelüberwachung und Tiergesundheit im Regierungsbezirk Karlsruhe

Scheinbare Häufung von Hefemastitiden bei subtropischen Umgebungstemperaturen

Ein auffälliger Anstieg der Nachweise von Hefen bei der bakteriologischen Untersuchung von Viertelgemelksproben war auf eine starke Kontamination des Umfeldes der Kühe mit Hefen zurückzuführen. Die Ursache dafür war die vermehrte Bildung von Hefen in der ab Ende August 2003 verfütterten Silage. Die Bedeutung des Abgleichs von Laborbefunden mit den Ergebnissen klinischer Untersuchungen wird hervorgehoben.

Euterentzündungen, die durch Infektionen mit Hefen hervorgerufen werden, sind in der Regel beim Rind eher selten anzutreffen. In diesen Fällen ist der Krankheitsverlauf jedoch sehr dramatisch. Er geht einher mit einer hochgradigen Schwellung und Umfangsvermehrung des erkrankten Euterviertels. Die Beschaffenheit der Milch verändert sich erheblich. Man findet lediglich geringe Mengen eines serumartigen, gelblichen, bierähnlichen Sekrets. Das Allgemeinbefinden der erkrankten Kühe ist mittel- bis hochgradig gestört.

Bakterien gelten als natürliche Antagonisten der Hefen. Klinische Hefemastitiden findet man deshalb nur vereinzelt meist im Gefolge langandauernder antibiotischer Behandlungen. In der Regel handelt es sich dabei um unsachgemäße Applikation von Eutersalben. Gehäuftes Vorkommen bildet die Ausnahme. So traten beispielsweise in den 80iger Jahren in Norddeutschland immense Verluste durch Hefemastitiden auf nach der Anwendung einer mit Hefen kontaminierten antibiotischen Eutersalbe.

Im vorliegenden Fall war ab Ende August 2003 ein auffälliger Anstieg der Nachweise von Hefen bei der bakteriologischen Untersuchung von Viertelgemelksproben zu beobachten (Abb. 1).

Hefen in ViertelgemelksprobenAbb. 1: Nachweis von Hefen in Viertelgemelksproben im Jahresverlauf

Die Nachkontrolle der betreffenden Kühe ergab jedoch nicht den geringsten Hinweis auf das Vorliegen klinischer Hefemastitiden. Um diesen widersprüchlichen Befunden auf den Grund zu gehen, wurden Tupferproben auch aus dem Umfeld der Kühe entnommen. Dabei zeigte sich, dass Hefen vermehrt aus den Melkzeugen, insbesondere aus den Zitzengummis isoliert werden konnten. Eine Erklärung für dieses Phänomen dürfte in Besonderheiten der Futtergewinnung zu finden sein. So wurden Silos angesichts der drohenden Futterknappheit teilweise bereits Ende August geöffnet. Zu diesem Zeitpunkt war die Silierung noch nicht vollständig abgeschlossen. Andrerseits hatte der hohe Trockensubstanzgehalt der Futtermaises zu einer ungenügenden Verdichtung des Silierguts geführt mit der Folge einer starken Vermehrung von Hefen. Die Verfütterung dieser Silage ab etwa Ende August 2003 musste deshalb zu einer starken Kontamination des Umfeldes der Kühe mit Hefen führen, was sich unter anderem auch in vermehrtem Auftreten positiver Hefebefunde bei der bakteriologischen Untersuchung von Viertelgemelksproben niederschlug.

Anhand dieses Beispiels muss erneut auf die Bedeutung eines Abgleichs von Laborbefunden mit den Ergebnissen klinischer Untersuchungen hingewiesen werden.

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