Analytik von Permanent- und Tönungs-Haarfarben mittels HPLC-DAD
Permanente Haarfärbemittel enthalten Entwickler und Kuppler, von
denen die wichtigsten aromatische Diamine, Aminophenole und mehrwertige
Phenole sind. Sie kommen überwiegend in Haarfärbe-Cremes, selten auch
in flüssigen Produkten vor.
Daneben gibt es direktziehende Tönungsfarben, die häufig in
Mischung mit Oxidationshaarfarben angeboten werden. Die Analytik
beruht auf der zügigen Isolierung der Farbstoff-Vorstufen und
Farbstoffe mittels Ultraschallhomogenisator unter
Oxidationsschutzbedingungen und anschließender Chromatographie mittels
HPLC-DAD. Mit dieser Methode können 33 Haarfarben bestimmt werden.
Oxidationsbasen und Kuppler sind Verbindungen, die im Laufe der
Probenaufarbeitung leicht abbauen können. Daher ist ein zügiger und
unter Oxidationsschutz stattfindender Clean-up entscheidend für eine
reproduzierbare Bestimmung mit guten Wiederfindungen. Aus der
Literatur ist zu entnehmen, dass sowohl bei der bisher üblicherweise
verwendeten HPLC-Methode nach Weyland (1) als auch bei einer
DC-Bestimmungsmethode (2) zum Oxidationsschutz der Substanzen
Ascorbinsäure eingesetzt wurde. Eigene Untersuchungen haben gezeigt,
dass die Stabilität der Haarfarben bei Einsatz von Natriumsulfit
höher ist. Bei Creme-Haarfarben führt der Einsatz eines
Ultraschallhomogenisators dazu, in kurzer Zeit homogene, leicht
membranfiltrierbare Extrakte für die unmittelbar anschließende HPLC
zu erzielen. Mit dem Prüfverfahren können momentan 33 Haarfarben über
Retentionszeit und UV-Spektrum identifiziert und bestimmt werden.
Weitere Referenzsubstanzen werden analysiert; angesichts der über 100
Haarfarben, die künftig zugelassen werden, und der Fülle an verbotenen
Stoffen wird eine parallele Bestimmung aller Substanzen in einem Lauf
sicher nicht gelingen. Nähere Informationen über Haarfarben finden
Sie im Kapitel 3.
Probenaufarbeitung und Kalibrierlösungen
- Ca. 0,5 g Probe werden auf 0,1 mg genau in ein Becherglas (i.d.R.
50 ml) eingewogen.
- Nach Zugabe von höchstens 20 ml Reduktionspuffer (s.u.) wird ca 1
min ultraschallhomogenisiert.
- Überführung in einen 50?ml Messkolben (braun).
- Nachspülen und Auffüllen mit Acetonitril. Stickstoffbegasung.
- Filtrieren über Faltenfilter und Membranfilter (0,2?µm Porengröße)
in Vial (braun) zur HPLC-Messung.
- zusätzlich Verdünnung 1:10: 1 ml Probenlösung/10 ml
Verdünnungspuffer, Stickstoffbegasung, membranfiltrieren, abfüllen zur
HPLC-Messung.
- Referenz-Stammlösung: 25 mg (auf 0,1 mg genau) in 25 ml
Messkolben (braun) einwiegen. Lösen mit ca 15 ml Reduktionspuffer
(s.u.), ggf. mit Hilfe Ultraschallbad. Aufgefüllt wird mit
Acetonitril. Konzentration: 1 mg/ml
- Diese Lösung nach Stickstoffbegasung lichtgeschützt und gekühlt
aufbewahren oder für HPLC verwenden.
- Einpunktkalibrierung: 100?µg/ml, Verdünnung der Stammlösung 1:10
mit Verdünnungspuffer
- Nach Stickstoffbegasung lichtgeschützt aufbewahren oder direkt zur
HPLC-Messung, immer Doppelabfüllungen für Anfang und Ende der
Sequenz.
- Zusätzliche Kalibrierlösungen (bei auffälligen Befunden)
- 10 µg/ml : Stammlösung 1:100 verdünnt mit Verdünnungspuffer
- 25 µg/ml: Stammlösung 1:40 verdünnt
- 50µg/ml: Stammlösung 1:20 verdünnt
Chemikalien und Reagentien
- Stickstoff zur Begasung
- Salzsäure (HCl) konz, 37?%, HPLC-geeignet
- Borax, Dinatriumtetraborat-Decahydrat
(Na2B4O7×10 H2O),
M=381,37 g/mol
- 0,1 M HCl (3,66 ml HCl conc in 440 ml H2O)
- 0,05 M Borax-Lösung (10,68 g Borax in 560 ml H2O)
- Sörensen-Puffer pH=8,0: 440 ml 0,1 M HCl und 560 ml 0,05 M
Borax-Lösung auf pH=8,0 (überprüfen bzw. tropfenweise einstellen mit
HCl conc)
- Natriumsulfit
- Reduktionspuffer: 500 mg Natriumsulfit in 100 ml Sörensen-Puffer
- Acetonitril, HPLC-geeignet
- Verdünnungspuffer: 50 ml Reduktionspuffer und 50 ml Acetonitril
für die HPLC
- Reinstwasser, HPLC-taugliche Reinheit, z.B. SeralPur
- Essigsäure konz, (HAc) (Eisessig) 100%, HPLC-geeignet
- Ammoniak (NH3), konz
- 10% NH3-Lösung
- 0,02 M HAc (1,14 g HAc konz auf 1000 ml H2O)
- HPLC-Eluent A: 0,02 M HAc mit 10% NH3-Lösung auf pH=5,9
- HPLC-Eluent B: Acetonitril, HPLC-geeignet + 0,5% Reinstwasser
Geräte/Hilfsmittel
- Ultraschallhomogenisator, z.B. von Vibracell
- Membranfilter mit 0,2 µm Porengröße
- Vakuumfiltrationsgerät
- Rollrandgläser (=Vial) (Braunglas) mit passenden Bördelkappen,
geeignet für automatischen HPLC-Probengeber
HPLC-Bedingungen
- Hochleistungsflüssigkeitschromatograph, bestehend aus einem
binären Pumpensystem, automatischem Probengeber, heizbarem Säulenraum,
Dioden-Array-Detektor (DAD), Auswertesystem
- Vorsäule 20 mm × 2,1 mm Hypersil ODS 5 µm (Agilent)
- Hauptsäule Purospher Star RP-18, 5 µm, 250 mm × 2 mm (Merck)
- Injektionsmenge: 2 ml
- Flow: 0,2ml/min
Auswertung
- Die Identifizierung der Einzelstoffe erfolgt durch Vergleich der
Retentionszeiten der zu analysierenden Substanzen in der Probe mit
denjenigen der Referenzsubstanzen.
- Ist ein ausreichendes Signal vorhanden, müssen die UV/VIS-Spektren
des Peaks mit dem Bibliotheksspektrum übereinstimmen.
- Die quantitative Bestimmung erfolgt nach der Methode des externen
Standards durch Integration der Peakflächen oder durch Ermittlung der
Peakhöhen.
- I.d.R. wird lediglich eine Einpunktkalibrierung mit dem Standard
100 µg/ml durchgeführt.
- Bei Gehalten im Bereich des Grenzwertes werden
Mehrpunktkalibrierungen nachgezogen.
Die Grenzwerte in der Kosmetikverordnung beziehen sich i.d.R. auf die
1+1-Mischung Farbstoffkomponente mit Entwickleremulsion
(Wasserstoffperoxid-Komponente). Daher ist es wichtig, die
Herstellerangabe (i.d.R. Informationsblatt) zur Mischung des für die
Haarfärbung bestimmten Endproduktes zu berücksichtigen.
Ergebnisse der Stabilitätsuntersuchungen
- Die Entwickler und Kuppler sind lichtempfindlich. Daher immer ohne
Deckenbeleuchtung arbeiten, intensive Sonneneinstrahlung unbedingt
vermeiden.
- Die Entwickler und Kuppler sind sehr sauerstoffempfindlich. Zügig
arbeiten und nach Beschreibung mit Stickstoff begasen.
- Zur HPLC immer nur in Glasvials abfüllen. Keine Kunststoff-Vials
verwenden, da z.T. erheblicher Substanzverlust bei Verwendung
konischer Kunststoffvials festgestellt wurde.
- Bisherige Erfahrungswerte haben gezeigt, dass die Stammlösungen
mindestens zehn Tage stabil bleiben, eingefroren in Braunglasvials
oder in Braunschraubglasgefäßen. Die Kalibrierlösungen sollten
meßtäglich hergestellt werden.
- Referenz-Mixe sollten möglichst nur Entwicklersubstanzen bzw.
Kuppler enthalten; Kombinationen aus Kupplern und Entwicklern können
schneller miteinander reagieren als nur Entwickler bzw. Kuppler in den
Mix-Lösungen.
Retentionszeiten der 33 Haarfarben
| INCI-Name |
Retentionszeit in min |
Mix |
| p-PHENYLENEDIAMINE |
3,36 |
C |
| 2-AMINOMETHYL-p-AMINOPHENOL HCl |
3,448 |
D |
| p-AMINOPHENOL |
4,00 |
A |
| DIAMINOPHENOXYETHANOL HCl |
4,898 |
B |
| m-PHENYLENEDIAMINE |
4,95 |
Einzel |
| TOLUENE-2,5-DIAMINE (m) |
5,03 |
C |
| m-AMINOPHENOL |
5,638 |
A |
| 4-AMINO-m-CRESOL |
5,80 |
B |
| N.N-Dimethyl2,6-pyridinediamin (nicht sicher) |
6,04 |
E |
| RESORCINOL |
6,48 |
A |
| 2-AMINO-3-HYDROXYPYRIDINE |
6,50 |
C |
| p-METHYLAMINOPHENOL |
6,86 |
B |
| o-AMINOPHENOL |
7,11 |
C |
| 2-METHYLRESORCINOL |
7,26 |
A |
| 2-AMINO-4-HYDROXYETHYLAMINOANISOLE |
7,47 |
B |
| 2-NITRO-p-PHENYLENEDIAMINE |
7,50 |
Einzel |
| HYDROXYBENZOMORPHOLINE |
7,73 |
Einzel |
| 4-AMINO-2-HYDROXYTOLUENE |
8,60 |
A |
| 2-HYDROXYETHYL PICRAMIC ACID |
8,639 |
D |
| 4-AMINO-3-NITROPHENOL |
8,69 |
F |
| HC BLUE NO. 2 |
8,74 |
G |
| 2-AMINO-6-CHLORO-4-NITROPHENOL |
8,86 |
E |
| 1,3-BIS-(2,4-DIAMINOPHENOXY)PROPANE |
9,49 |
D |
| HC YELLOW NO. 5 |
9,75 |
F |
| 4-HYDROXYPROPYLAMINO-3-NITROPHENOL |
9,95 |
G |
| 4-CHLORORESORCINOL |
10,41 |
D |
| 1,5-NAPHTHALENEDIOL |
11,11 |
F |
| 2,7-NAPHTHALENEDIOL |
11,28 |
G |
| PHENYL METHYL PYRAZOLONE |
11,33 |
B |
| HYDROXYETHYL-2-NITRO-p-TOLUIDINE |
14,55 |
D |
| DISPERSE VIOLET 1 |
15,26 |
E |
| HC YELLOW NO. 12 |
15,33 |
F |
| 1-NAPHTHOL |
16,08 |
A |
LITERATUR
1) J.W.Weyland, Rooselaar, HPLC of oxidative hair dye
analysis, Separation and stability testing, J.Liq.Chrom.Rel. Technol.
21, 883-901 (1988).
2) H.Gottschalk, R.Machens, Identifizierung und
quantitative Bestimmung von Oxidations-farbstoffen in Haarfärbemitteln,
J.Soc. Cosm. 33, 97-114 (1982).
3) E. Vogt, G. Mildau, M. Metzler,
Lebensmittelchemie 57, 156-157 (2003)
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