Im Gegensatz zu anderen Regionen in der Welt werden Hunde in Deutschland nicht geschlachtet und verzehrt. Sie müssen deshalb auch nicht auf Rückstände pharmakologisch wirksamer Stoffe untersucht werden. In Amtshilfe wurden wir gebeten abzuklären, ob die schwerwiegende Erkrankung eines Hundes auf eine Wurmbehandlung mit sog. Anthelmintika aus der Gruppe der Avermectine zurückzuführen ist.
Avermectine sind Anthelmintika, deren Wirkung auf der Potenzierung der inhibitorischen Wirkung des Neurotransmitters γ-Aminobuttersäure (GABA) beruht. Es kommt zur langfristigen Öffnung von Ionenkanälen und damit zu einer Hyperpolarisation der Nerven- und Muskelzellmembranen. Parasiten werden gelähmt und sterben ab. Bekannte Wirkstoffe aus der Gruppe der Avermectine, die häufig in der Tierarztpraxis verwendet werden, sind z.B. das Ivermectin und das Doramectin.
Für die Wirtstiere besitzt der Wirkstoff eine unterschiedlich hohe Toxizität. Selbst innerhalb einer Hunderasse gibt es gravierende Unterschiede. So kommt es zum Beispiel bei Collies zu zentralnervösen Überempfindlichkeitsreaktionen nach einer Behandlung mit Avermectinen, die von einer leichten Desorientierung über Muskelzittern, Koordinationsstörungen, Pupillenweitung und Koma bis zum Tod reichen können. Ursache ist ein Gendefekt, der die Funktionsfähigkeit des multidrug Resistenz (MDR1) Transporters beeinträchtigt. Der MDR1-Transporter befördert normalerweise Substanzen aus dem Zellinneren, so dass es nicht zu erhöhten Konzentrationen im Zellinneren kommen kann. Bei Hunden mit diesem Gendefekt kommt es schon bei Dosierungen von 100 µg/kg durch die gestörte Funktion der Blut-Hirnschranke zu erhöhten Konzentrationen und Störungen im Gehirn.
Im Blutserum des Hundes wurden 280 µg/l Doramectin nachgewiesen. Damit war erwiesen, dass die beschriebenen Symptome durch den erhöhten Wirkstoffgehalt im Serum verursacht worden waren.
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