Für viele Pflanzen ist Nitrat eine wichtige Stickstoffquelle, die zum Aufbau lebensnotwendiger Proteine genutzt wird. Einige Pflanzen können Nitrat anreichern, wie z.B. Kopfsalat und Spinat. Nitrat als solches ist unbedenklich, es kann aber eine Ausgangsquelle zur Bildung von Nitrit und in weiteren Reaktionsschritten zu krebserregenden Nitrosaminen sein. Daher sollen nach Meinung des wissenschaftlichen Lebensmittelausschusses der EU täglich nicht mehr als 3,65 mg pro kg Körpergewicht aufgenommen werden. Für Trinkwasser gilt ein Höchstwert von 50 mg/l und für Kopfsalat und Spinat gelten saisonale Grenzwerte zwischen 2000 und 4500 mg/kg. Für Kräutertees gibt es derzeit keine Höchstwerte.
Kräuter- und Früchtetees sind in Deutschland sehr beliebt und übersteigen sogar den Konsum an „echtem Tee” aus den Blättern des Teestrauches um etwa das Doppelte. Bundesweit werden jährlich ca. 37.000 Tonnen getrocknete Kräuter und Früchte zur Teebereitung verwendet (WKF 2006), dies entspricht einer Menge von ca. 20 Mrd. Tassen Kräuter- und Früchtetee jährlich.

Im bundesweiten Lebensmittel-Monitoring wurden im Jahr 2007 Kräuter- und Früchtetees auf ihren Nitratgehalt untersucht. Nitrat ist sehr gut wasserlöslich und geht daher leicht in den Teeaufguss über. Die Untersuchungsergebnisse aus Baden-Württemberg liegen jetzt vor. Untersucht wurden 40 Produkte, hauptsächlich Brennnessel, Pfefferminze, Hagebutte-/Hibiskus-Mischungen und Rooibos.
Die Brennnessel wächst vor allem dort wo es reichlich Stickstoff gibt und sie kann in ihren Blättern große Mengen an Nitrat anreichern. So enthält der Spitzenreiter fast 16.000 mg/kg Nitrat in den getrockneten Blättern. Dies ergibt bei der üblichen Zubereitung von 1,5 g Blättern pro Tasse (150 ml) einen Nitratgehalt von ca. 160 mg/l, allein aus den verwendeten Blättern. Dies ist mehr als das Dreifache des Grenzwertes der Trinkwasserverordnung. Dass es auch anders geht, zeigen zwei Proben mit rund 850 mg/kg Nitrat in den Blättern, dies entspricht einem Nitratgehalt im Getränk von weniger als 10 mg/l.
Auch Pfefferminze enthält z.T. nicht unerhebliche Mengen an Nitrat. Die gemessenen Gehalte lagen zwischen 1100 und 5200 mg/kg in den getrockneten Blättern, dies ergibt einen Gehalt in der Teetasse von 11 bis 52 mg/l. Wertbestimmend ist bei der Pfefferminze hauptsächlich der Gehalt an etherischem Öl, das für das erfrischende Aroma der Pfefferminze verantwortliche ist. In den Leitsätzen des Deutschen Lebensmittelbuches wird ein Mindestgehalt von 0,6 ml pro 100 g Pfefferminzblätter gefordert. Diese Mindestanforderung wurde von allen 9 untersuchten Produkten, wenn z.T. auch nur knapp, erreicht. Besonders aromatisch waren zwei Produkte die 2,2 bzw. 2,4 ml etherisches Öl in 100 g enthielten.
Die erfrischende Mischung von Hagebuttenfrüchten und den säuerlich schmeckenden Hibiskusblüten ist besonders im Sommer beliebt. Die Nitratgehalte von um die 500 mg/kg in der Teemischung ergeben eine niedrigen Nitratgehalt im Getränk von nur ca. 5 mg/l.
Die Hagebutte gilt als sehr reich an Vitamin C. Dies trifft auch auf die frischen Früchte zu. Beim Trocknen der Früchte für die Früchtetees geht jedoch der größte Teil verloren. In den getrockneten Hagebutten wurden immer noch 600 bis 1000 mg/kg Vitamin C gefunden. Diese Werte sind für sich gesehen durchaus beachtlich, aber für eine Tasse reinen Hagebuttentee werden nur etwa 2 g der getrockneten Früchte verwendet. Eine Tasse Hagebuttentee enthält demnach nur 1,2 bis 2 mg Vitamin C. Der Tagesbedarf eines Erwachsenen beträgt jedoch 100 mg Vitamin C!
Der aus Südafrika stammende Rooibos wird in Deutschland immer beliebter. Was den Nitratgehalt betrifft steht dem auch weiter nichts im Wege. Bei den meisten 11 untersuchten Proben konnte kein Nitrat nachgewiesen werden. Der höchste gemessene Gehalt betrug 12 mg/kg und ist damit vernachlässigbar. Rooibostee schmeckt teeähnlich, hat aber im Gegensatz zu Grünem oder Schwarzem Tee kein Coffein und auch weniger Gerbstoffe. Rooibostee ist ein reines Lebensmittel, Werbeaussagen über angebliche arzneiliche Wirkungen entbehren bisher einer wissenschaftlichen Grundlage.
Hagebutte/Hibiskus- und Rooibos-Tee können hinsichtlich ihrer Nitratgehalte bedenkenlos auch in größeren Mengen getrunken werden. Pfefferminztee liegt mit Blick auf die zulässigen Nitrat-Höchstwerte für Trinkwasser meist noch im grünen Bereich. Dies gilt auch für die 5 untersuchten Proben Zitronenverbene, die nicht mit dem als Arzneimittel verwendeten Eisenkraut verwechselt werden dürfen. Pfefferminztee gilt auch als für den Dauergebrauch, allerdings nicht im Übermaß, geeignet. Bei Gallensteinleiden muss aber mit dem Arzt Rücksprache genommen werden. Brennnesseltee gilt als mineralstoffreich, sollte aber auf Grund der hohen Nitratgehalte nur in Maßen genossen werden.

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