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Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe

Lebensmittelüberwachung und Tiergesundheit im Regierungsbezirk Karlsruhe

Spirulinaalgen − statt „Kraftwerk der Natur” Gesundheitsrisiko?

Spirulinaalgen werden in den höchsten Tönen als Kraftwerk der Natur, mit wohl abgestimmtem und einzigartigem Reichtum an Mikronähr- und Vitalstoffen beworben. Im Rahmen des Monitoring-Projekts zur Elementbestimmung in Nahrungsergänzungsmitteln fielen jedoch einige Präparate mit hohem Cadmiumgehalt auf.

Das „Bundesweite Monitoring” wurde ursprünglich als Forschungsprogramm zur Ermittlung der Belastung von Lebensmitteln mit Schadstoffen (Pestizide, Schwermetalle und Nitrat) ins Leben gerufen und 1995 im Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz als dauerhafte Einrichtung integriert. In den letzten Jahren wird zunehmend in Projekten an wenigen Untersuchungseinrichtungen vorab auf neue Schadstoffe untersucht, ehe Untersuchungen auf breiter Basis erfolgen. Bei neu aufkommenden Fragestellungen werden im Rahmen solcher Projekte neue analytische Verfahren etabliert.

Im Projekt zur Elementbelastung von Nahrungsergänzungsmitteln wurden neben Mineralstofftabletten, Vitamintabletten und „anti-Ageing”-Präparaten auch Algenpräparate untersucht. Belastungen mit Schwermetallen wurden lediglich bei einem Algenpräparat vorgefunden: Cadmium in der Größenordnung von 20 mg/kg.

Cadmium weist ein krebserzeugendes Potential auf. Daher wird für die toxikologische Beurteilung der von der WHO festgelegte PTWI-Wert (Provisional Tolerable Weekly Intake) herangezogen. Dieser vom Joint FAO/WHO Expert Committee on Food Additives (JECFA FAO/WHO) 2003 festgelegte gesundheitliche Referenzwert entspricht der vorläufig duldbaren wöchentlichen Aufnahmemenge von Cadmium. Der PTWI-Wert für Cadmium beträgt 7 µg/kg Körpergewicht pro Woche. Auf der Grundlage dieses Wertes errechnet sich für einen Erwachsenen mit 70 kg eine tolerierbare tägliche Aufnahmemenge von 70 µg. Da bei dem Präparat eine Dosieranweisung vorhanden war, ließ sich die tägliche Aufnahme bei der Einhaltung der Anleitung abschätzen: Es würden 110 µg/Tag aufgenommen, womit der PTWI-Wert deutlich überschritten wird! Da derartige Präparate nicht nur kurzfristig, sondern im Regelfall über längere Zeiträume aufgenommen werden, wurde das Erzeugnis als „gesundheitsschädlich” beurteilt.

Parallel zum CVUA Karlsruhe wurde eine weitere Probe der gleichen Charge des gleichen Herstellers vom LUA Sachsen beanstandet. In der Folge wurden daher außer weiteren Chargen des gleichen Erzeugnisses auch noch Produkte anderer Hersteller beprobt. Insgesamt 20 Folgeproben wurden auf ihren Cadmiumgehalt untersucht. Hierbei zeigten sich zwei weitere Chargen des gleichen Herstellers und ein weiteres Präparat eines anderen Herstellers ebenfalls auffällig mit Gehalten, die zu einer Tagesdosis über 100 µg Cadmium (bei Anwendung lt. Packung) führen würden.

Der ursprünglich auffällige Hersteller zog daraufhin das Produkt aus dem Handel. Interessant war die Aufdeckung der Ursache beim zweiten Hersteller: Dieser hatte aufgrund von Lieferproblemen bei einem neuen Zulieferanten bezogen. Da dieser Betrieb in Deutschland arbeitet, war die Nachverfolgung relativ einfach: Als Ursache der Cadmiumbelastung wurde das Material des Zuchtbeckens für diese Algen ermittelt, ein cadmiumlässiger Beton.

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