Auch im Jahr 2005 wurden wieder Gewürze, Würzmischungen und Würzsoßen, die Paprika, Chillie oder Kurkuma enthielten, auf künstliche Farbstoffe untersucht. Kurkuma ist ein wesentlicher Bestandteil von Currypulvern. Die Belastungsquote ist im Vergleich zum Vorjahr nochmals deutlich gesunken.
Insgesamt konnten nur noch in elf der 248 untersuchten Gewürze und Würzmischungen verbotene Farbstoffe nachgewiesen werden. Dies entspricht einer Quote von 4,4% (2004: 13%). Von den 62 untersuchten Würzsoßen war keine einzige mit verbotenen Farbstoffen belastet (2004: 8%).
Auffällig ist jedoch, dass sich die Palette der zur Verfälschung eingesetzten Farbstoffe erweitert hat. Außer den bisher gefundenen Farbstoffen Sudan I und Sudan IV wurden am CVUA Karlsruhe im Jahr 2005 auch Pararot, Rhodamin B und Orange II entdeckt. Die mit Pararot gefärbten Produkte enthielten zudem noch geringe Mengen an Toluidinrot. In einer Probe die mit Sudan I gefärbt war, wurden zudem noch geringe Mengen an Sudan IV und Buttergelb nachgewiesen
Wie sind diese Farbstoffe gesundheitlich zu bewerten? Dazu hat die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) im vergangenen Jahr eine Stellungnahme veröffentlicht (EFSA-Journal 2005, S. 1-71). Demnach gibt es experimentelle Beweise, dass Sudan I und Rhodamin B kanzerogen und erbgutschädigend sind. Für die anderen oben genannten Farbstoffe fehlt dieser Beweis. Auf Grund der strukturellen chemischen Ähnlichkeiten ist aber anzunehmen, dass auch Sudan IV und Pararot gleich einzustufen sind. Für Orange II ist eine erbgutschädigende Wirkung nicht auszuschließen, die vorliegenden Daten zur Kanzerogenität von Orange II lassen keine Schlüsse zu.
Insgesamt liegen nach der Beurteilung der EFSA nicht genug Daten für eine vollständige Risikoabschätzung vor. Auch wenn die Verzehrsmengen an den Gewürzen Paprika, Chillie und Kurkuma insgesamt gering sind, kann die Verfälschung mit sehr wahrscheinlich gesundheitsschädlichen Farbstoffen jedoch nicht toleriert werden.
Die gefärbten Gewürze wurden in die Europäische Union importiert (z.B. aus Indien, Türkei, Pakistan, Ägypten). Nach Literaturangaben, z.B. indischer Wissenschaftler, gibt es eine große Zahl an Farbstoffen die außerhalb der Europäischen Union zur Verfälschung oder zum Schönen von Gewürzen verwendet werden. Eine Reihe der in der Literatur genannten Farbstoffe wurden inzwischen in die Screening-Methode des CVUA Karlsruhe aufgenommen (Lebensmittelchemie 2003, S. 44-45).
Auf Grund einer Literaturangabe über die mögliche Verwendung von giftigem Bleichromat zum Glätten und Färben von Kurkuma wurden zudem zehn Proben auf ihre Bleigehalte untersucht. Erhöhte Bleigehalte wurden jedoch in keiner Probe gefunden.
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