Nach historischen Rezepturen aus dem 19. Jahrhundert mit Wermutkraut in Mengen von bis zu 6 kg/100 L Spirituose hergestellte Absinthe wurden untersucht, um festzustellen, welchen Thujonkonzentrationen an „Absinthismus” erkrankte Menschen in der Vergangenheit ausgesetzt waren. Zusätzlich wurden ein authentischer historischer Pernod Absinth aus Tarragona (1930) und zwei Absinthe von traditionellen Kleinbrennern aus dem Schweizer Val-de-Travers untersucht. Für die Analyse von α- und β-Thujon wurde eine GC/MS Methode mit Cyclodecanon als internem Standard angewendet. Bei der Validierung wurde eine Nachweisgrenze von 0,08 mg/L und Präzisionen zwischen 1,6 und 2,3% ermittelt. Linearität wurde von 0,1-40 mg/L mit einem Korrelationskoeffizienten von 1,000 erhalten.
Alle nach der kürzlichen Aufhebung des Absinthverbots analysierten Absinthe zeigten eine Thujon-Konzentration unterhalb der gesetzlich zulässigen Höchstmenge von 35 mg/L. Auch die nach historischen Rezepturen hergestellten Produkte wiesen nicht nachweisbare oder nur relativ geringe Thujon-Konzentrationen auf (Mittelwert: 1,3 ± 1,6 mg/L, Bereich: 0-4,3 mg/L). Ebenso besaß auch der historische Absinth nur eine sehr geringe Konzentration von 1,3 mg/L. Die Val-de-Travers-Absinthe enthielten 9,4 und 1,7 mg/L Thujon.
Thujon-Konzentrationen in Höhe von 260 mg/L, die angeblich in Absinthen aus dem 19. Jahrhundert vorgelegen haben sollen, wurden durch unsere Untersuchungen nicht bestätigt. Aufgrund der hier nachgewiesenen Thujon-Gehalte kann das halluzinogene Potential von historischen Absinthen nur als sehr gering oder nicht vorhanden eingestuft werden. Es gibt keinen Anhaltspunkt dafür, daß diese Produkte die heute geltende Höchstmenge überschritten haben, mit der gesundheitsschädigende Effekte ausgeschlossen werden.
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