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Eine neue Generation von Stinkbomben: Fart Bomb. Stinken sie nur oder sind sie auch eine Gefahr für die Gesundheit?

Ein Lehrer beschwerte sich: in einer Schule brachten Schüler eine neue Art von Stinkbomben zum Platzen. Der Inhalt stank fürchterlich nach Schwefelwasserstoff, einige Schüler klagten über leichte Atemprobleme. Schwefelwasserstoff ist ein sehr giftiges Gas. Der Lehrer bat uns zu prüfen, ob von den Stinkbomben eine konkrete Gesundheitsgefahr ausging.

Bei der Stinkbombe handelte es sich um einen silberfarbenen, verschweißten Folienbeutel mit der Aufschrift: „diese Verpackung nicht öffnen. Durch leichten Druck auf die Verpackung das darin enthaltene Wassersäckchen öffnen. Die Verpackung wird sich mit Luft aufblasen, explodieren und einen starken Geruch abgeben. Nicht hinunterschlucken.”

Die Untersuchungen ergaben folgendes Wirkprinzip: in der Folienpackung befindet sich eine Pulvermischung, bestehend aus einem nicht näher spezifiziertem Sulfid und überwiegend Carbonat, wahrscheinlich Natriumhydrogencarbonat. Neben dem Pulver beinhaltet die Packung auch ein kleines separates Päckchen, bezeichnet durch den Hersteller als Wassersäckchen, mit einer ca. 20%-igen Citronensäurelösung. Durch Kneten und Drücken der Packung öffnet sich das innere kleine Citronensäurepäckchen. Die Säure benetzt und löst das Pulver, die Gase Kohlendioxid und Schwefelwasserstoff werden frei. Durch Überdruck kommt dann die Bombe zum Platzen.

Der üble Geruch wird durch Schwefelwasserstoff verursacht. Schwefelwasserstoff ist ein nach faulen Eiern riechendes Gas, das beim Einatmen sehr giftig ist und schon bei geringen Konzentrationen die Schleimhäute reizen sowie Atemnot und Schwindel verursachen kann. Entscheidend für das Ausmaß der Gesundheitsgefahr ist die Konzentration des Gases in der Raumluft.

In einem Päckchen wurde eine Sulfidkonzentration von 25 mg festgestellt. Wird die gesamte Sulfidmenge als Schwefelwasserstoff frei, so ergibt sich eine Absolutmenge von 27?mg. Die Menge von 27 mg Schwefelwasserstoff verteilt sich in der Raumluft. Zur Abschätzung der Gesundheitsgefahr bietet sich ein Vergleich mit bestehenden „Luftgrenzwerten” an. Z. B. liegt die maximale Arbeitsplatzkonzentration (MAK) für Schwefelwasserstoff (H2S) nach den TRGS 900 (1) bei 14 mg/m3. MAK ist die Konzentration eines Stoffes in der Luft am Arbeitsplatz, bei der im allgemeinen die Gesundheit der Arbeitnehmer nicht beeinträchtigt wird. Zugrunde gelegt wird eine tägliche acht-stündige Exposition bei 40 Stunden pro Woche. Die Konzentration ist hier aber nicht als Mittelwert zu sehen, sondern sie darf zu keinem Zeitpunkt den Grenzwert überschreiten.

Die amerikanischen Vergleichswerte zu den MAK-Werten für Schwefelwasserstoff sehen 10 mg/m3 vor (2). Für eine Zeitspanne von 15 Minuten werden 15 mg/m3 toleriert. Die geruchliche Wahrnehmung von Schwefelwasserstoff beginnt laut Angaben in der Literatur bereits ab einer Konzentration von ca. 0,15 mg/m3. Bei höheren Konzentrationen tritt ein Verlust der Geruchsempfindung ein.

Im Falle der untersuchten Probe ist davon auszugehen, dass die Maximalmenge von Schwefelwasserstoff von 27 mg sich auf Grund der hohen Diffusionsgeschwindigkeit des Gases spontan auf ein Volumen von mehreren Kubikmetern Luft verteilt. Bereits bei 2 m3 Luft (entspricht einem ungewöhnlich kleinen Raum vom 1 m Breite mal 1 m Länge mal 2 m Höhe) ist die Konzentration von ca. 14 mg/m3 erreicht, die als noch nicht gefährlich gilt, auch bei längerer Exposition. Es ist auch davon auszugehen, dass das Einatmen von Schwefelwasserstoff aus einer Stinkbombe eher relativ selten passiert und dass die „Bescherzten” aufgrund des üblen Geruchs schnell das Weite suchen. Aufgrund dieser Überlegungen wurde bei der Probe Stinkbombe keine konkrete Eignung zur Gesundheitsgefährdung festgestellt, obwohl das freiwerdende Gas selbst sehr giftig beim Einatmen ist.

Literatur

  • Technische Regeln für Gefahrstoffe: Grenzwerte in der Luft am Arbeitsplatz "Luftgrenzwerte", TRGS 900, zuletzt geändert am 31. 3. 2004 (BArbBl. 5/2004 S. 55)
  • Die TLV-Werte (Threshold Limit Values) stellen die amerikanischen Vergleichswerte zu den MAK-Werten dar. Aufgeführt sind die Werte in einer Datenbank der Landesanstalt für Umweltschutz Karlsruhe, http://www.lfu.bwl.de/igs40/oberfl/gsbl0202/de
  • Ullmann's Encyclopedia of Industrial Chemistry, Volume A 13, S. 481) 1989, VCH Verlagsgesellschaft, Weinheim-New York.

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