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Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe

Lebensmittelüberwachung und Tiergesundheit im Regierungsbezirk Karlsruhe

Antibiotische Wirkstoffe in topischen Rezepturen – leider immer noch manchmal Glückssache

Insbesondere Hautärzte verordnen auch heute noch gerne sogenannte „Individualrezepturen” für einzelne Patienten, die in einer Apotheke speziell hergestellt werden müssen und nicht als Fertigarzneimittel auf dem Markt sind. Dabei werden häufig antibiotische bzw. antimykotische Wirkstoffe eingesetzt, um hartnäckige Hautinfektionen, Akne o.ä. in den Griff zu bekommen.

Antibiotische oder antimykotische Wirkstoffe zeichnen sich durch eine nachgewiesene Wirksamkeit gegen hautpathogene Bakterien und Pilze aus. Beispielsweise gehören die häufig lokal angewendeten Stoffe Erythromycin, Clindamycin, Nystatin oder Metronidazol leider nicht zu den stabilsten Verbindungen. Sie sind empfindlich gegen zu hohe oder zu niedrige pH-Werte, gegen Temperatur-, Licht-, Luft- bzw. Sauerstoffeinwirkungen und andere physikalische Parameter und daher nur begrenzt haltbar und auch nicht mit allen Salbengrundlagen verträglich. So kommt es leider immer wieder vor, dass derartige „frei komponierte” Rezepturarzneimittel nicht sonderlich stabil sind und sich schon nach kurzer Zeit zersetzen können. Dies ist jedoch für den Kunden oder Patienten in der Regel nicht auf den ersten Blick erkennbar.

Insbesondere Erythromycin ist hier besonders problematisch, da es gegen pH- und Temperatur-Einfluss empfindlich ist. Insbesondere bei saurem pH-Wert wird Erythromycin relativ rasch zersetzt. Laut Kommentar zum europäischen Arzneibuch erfolgt im schwach sauren Bereich <pH6,0 innerhalb weniger Stunden eine rasche Inaktivierung. Ein besonders krasses Beispiel für eine derartige Inaktivierung wurde auch 2005 wieder festgestellt. Die Salbe wies nicht einmal mehr 10% des geforderten Wirkstoffgehaltes auf. Die Wirkung ist dann eher Glückssache und solche Fälle können darüber hinaus auch zu einer Verschlechterung der Resistenzsituation beitragen. Nach den durchgeführten Untersuchungen hatte die Probe in der Grundlage einen pH-Wert von unter 5. Die verwendete Salbengrundlage war daher für Erythromycin wenig geeignet.

Ein Ausweg aus diesem Dilemma wäre sicherlich der verstärkte Einsatz von bekannten und bewährten Rezeptursammlungen wie dem sog. „neuen Rezepturformularium” (NRF), dessen Bekanntheitsgrad bei Ärzten allerdings deutlich gesteigert werden müsste. Die Propagierung der Rezeptursammlungen sollten u.E. auch Apotheken, die solche Rezepturen herstellen, verstärkt nutzen.

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