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Kudzu-Kapseln, das ideale pflanzliche Mittel zur Raucherentwöhnung aus China − leider mit hohem Gehalt an PAKs

Die Wurzel aus Pueraria lobata ist eine in China traditionell durch die Volksmedizin verwendete allgemein bekannte Droge. In der modernen chinesischen Medizinliteratur werden ihr krampflösende, fiebersenkende, sekretionsfördernde und durchfallhemmende Effekte zugesprochen. Anpreisungen von Kudzu als Alkoholentwöhnungsmittel sind aber ebenso problematisch wie die Empfehlung eines Kudzuextrakts zur Raucherentwöhnung.

Dem CVUA Karlsruhe lag eine Originalpackung „Kudzu”-Kapseln zur Beurteilung vor. Der Pulverinhalt wies einen starken Geruch nach kaltem Rauch auf. Das Produkt war als Mittel zur Raucherentwöhnung ausgelobt, auch auf der Homepage der Firma im Internet. Auf dem Etikett der Probe fand sich, in Auszügen, der folgende Text:
„Kudzu (lat. Pueraria lobata) wird in asiatischen Ländern seit Jahrtausenden als natürliches Mittel verwendet. Man verwendet Kudzu vor allem in China und Korea. Seit einigen Jahren empfehlen Wissenschaftler an der berühmten Harvard-Universität in Boston in den USA die Kudzu-Pflanze zum Abgewöhnen des Rauchens. In früheren Zeiten hat man in China die Blätter und Wurzeln der Pflanze als Tee verwendet, um vom Alkohol loszukommen. … 2x täglich 1-2 Kapseln mit etwas Flüssigkeit einnehmen.”

Die Wurzel aus Pueraria lobata ist eine in China traditionell durch die Volksmedizin verwendete, in ihren Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten dort allgemein bekannte Droge. Als Inhaltsstoffe enthält sie vor allem Isoflavonoide sowie Triterpensaponine. Die Droge soll nach traditioneller chinesischer Medizin auf die Funktionsbereiche der Milz und des Magens wirken. In der modernen chinesischen Medizinliteratur werden ihr krampflösende, fiebersenkende, sekretionsfördernde und durchfallhemmende Effekte zugesprochen. In die Schlagzeilen geriet Pueraria lobata, als in tierexperimentellen Untersuchungen eine Reduzierung der freiwilligen Alkoholaufnahme beobachtet wurde und chinesische Ärzte diese Wirkung der Droge bestätigten. Wenn auch gezeigt werden konnte, dass z.B. bestimmte Inhaltsstoffe entsprechende Enzyme hemmen, so erscheint es doch verfrüht, die Droge als geeignetes Mittel zur Behandlung des Alkoholmissbrauchs zu bezeichnen. Anpreisungen von Kudzu als Alkoholentwöhnungsmittel sind daher ebenso problematisch wie die Empfehlung eines Kudzuextrakts zur Raucherentwöhnung.

Nach ihrer materiellen Beschaffenheit und mit der Zweckbestimmung zur Raucherentwöhnung war die Probe als Arzneimittel einzustufen. Der Kapselinhalt enthielt, der Deklaration entsprechend, ein Pulver aus Bestandteilen von Pueraria lobata. Die authentische Wurzeldroge, die zu Vergleichszwecken eingesetzt wurde, hatte keinen rauchigen Geruch. Auf Grund des deutlichen Geruchs nach kaltem Rauch hat das CVUA Karlsruhe bei dem vorliegenden Kapsel-Präparat eine Prüfung auf Polycyclische Aromatische Kohlenwasserstoff-Verbindungen (PAKs) durchgeführt und dabei erhebliche Mengen dieser Rückstände festgestellt. Der ermittelte Gehalt an Benzo-a-pyren (BaP) lag bei 170±40 µg/kg; der gesamte Anteil an PAKs war in diesem Produkt noch erheblich größer. PAKs sind eine Stoffgruppe aus ca. 250 verschiedenen Verbindungen, die bei der unvollständigen Verbrennung von organischen Substanzen entstehen. Es handelt sich bei diesen Verbindungen um ubiquitär vorkommende Umweltkontaminanten. PAKs weisen mehr oder minder starke karzinogene Eigenschaften auf. Für karzinogene Stoffe lässt sich aus wissenschaftlicher Sicht ein Schwellenwert nicht begründen, so dass gesundheitlich unbedenkliche Mengen an PAKs nicht angegeben werden können.

In pflanzliche, getrocknete Lebensmittel, wie z.B. Tee, und vergleichbare Arzneidrogen, so z.B. die Wurzeln von Pueraria lobata in gepulverter Form, können PAKs über die Umwelt (z.B. mit PAKs belastete Luft) oder durch Sekundärkontaminationen gelangen, wenn z.B. das Ausgangsmaterial nach der Ernte mit Rauchgas unsachgemäß getrocknet oder behandelt wurde. Bei sachgemäßer Führung z.B. von Trocknungsprozessen kann eine Kontamination mit PAKs verhindert werden, wie Untersuchungen z.B. von anderen Teeproben zeigten. Das CVUA Karlsruhe beurteilte das Fertigarzneimittel durch den hohen Gehalt an PAKs als nicht unerheblich qualitätsgemindert.

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