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Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe

Lebensmittelüberwachung und Tiergesundheit im Regierungsbezirk Karlsruhe

Ein neues Konzept in der Hautpflege mit MSM − was ist da dran?

Unter der Überschrift „Ein neues Konzept in der Hautpflege” warb eine Vertriebsfirma für ihr Produkt mit Angaben zum besonderen Gehalt an „MSM”. Das Präparat wurde in dem Werbeblatt als „Durchbruch in der Gesundheits- und Schönheitspflege” bezeichnet.

Auf dem Etikett einer äußerlich anzuwendenden, in Norwegen hergestellten und von der deutschen Niederlassung einer dänischen Firma vertriebenen Lotion war keine Zweckbestimmung angegeben. Wir stuften das Produkt als Arzneimittel ein, wie es sich einerseits aus der auf dem Behältnisetikett angegebenen Zusammensetzung der Rezeptur und andererseits aus der Werbung ergab.

Ein weiteres „Allheilmittel” aus den USA scheint in den deutschen Markt vorzustoßen: Methylsulfonylmethan (MSM), auch als Methylsulfon oder Dimethylsulfon (DMSO2) bezeichnet. Amerikanische Anbieter propagieren ihre Produkte als Nahrungsergänzungsmittel im Internet, in einer deutschen Publikumszeitschrift erschien bereits ein kritiklos euphorischer Artikel.

MSM (Methylsulfonylmethan), so die Werbung des Vertriebsunternehmers, „ist organisch gebundener Schwefel und hat die Eigenschaft, durch die Hautoberfläche in die tieferliegenden Zellen einzudringen und andere Inhaltsstoffe bis hin zu Hautdrüsen und Gelenken tragen zu können. MSM unterstützt die Durchlässigkeit der Zellen, d.h. die Eigenschaft der Zellen, Abfallstoffe und Wasser abzusondern und Nährstoffe aufzunehmen. Hiermit wird ein Überdruck in den Zellen, wie er für Schwellungen und Entzündungen typisch ist, verhindert. Die Haut wird mit biologisch aktivem Schwefel versorgt, was die Bildung von Kollagen fördert”.

Die Arzneimittelkommission Deutscher Apotheker (AMK) hat im Jahr 2001 in der Fachpresse für die Apotheken unter der Überschrift „MSM − neues Wundermittel aus den USA” folgende Informationen veröffentlicht:

MSM wird als Mittel gegen ein Sammelsurium von Krankheiten angepriesen: Allergien, Asthma, Brustkrebs, Darmkrebs, Lupus erythematodes, Rheuma, Schmerzen, Schnarchen usw. Die Dosierung soll zwischen 50 und 500 mg täglich liegen. Das Wundermittel soll einen angeblichen Mangel an organischem Schwefel bei diesen Krankheiten ausgleichen. Nach Angaben im Verbandsrundschreiben des Bundesverbands der pharmazeutischen Industrie wird der menschliche Schwefelbedarf bekanntlich über die Zufuhr von schwefelhaltige Aminosäuren enthaltenden Proteinen gedeckt. In den westlichen Industrieländern ernähren sich die Menschen sehr proteinreich, so dass ein „Schwefelmangel” äußerst unwahrscheinlich ist. Klinische Studien, die die Wirksamkeit bei den beanspruchten Indikationen belegen, existieren nicht. Wirkungen und Risiken von MSM in den jetzt propagierten Dosen sind nicht ausreichend untersucht. Arzneiliche Indikationsansprüche dürfen in Deutschland für ein Nahrungsergänzungsmittel nicht erhoben werden.

MSM kommt in tierischen und pflanzlichen Organismen vor und ist in Mengen von einigen Milligramm Bestandteil der menschlichen Ernährung. Es ist Hauptmetabolit von Dimethylsulfoxid (DMSO) und wurde auch schon damit verwechselt.

Das CVUA Karlsruhe ging bei der Beurteilung des Produktes mit dem herausgestellten Wirkstoff MSM davon aus, dass diese, zunächst auf die innerliche Anwendung von MSM bezogene Äußerung der AMK in weiten Teilen auch für die äußerliche Anwendung des Wirkstoffs gelten muss, dass das Präparat nach seiner objektiven Zweckbestimmung, die sich aus der Zusammensetzung herleitet, als Arzneimittel i.S. von § 2 Abs. 1 AMG einzustufen, aber nicht zugelassen war.

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